Die Geschichte von Ferrari

Er war adelig und ein Gentleman, landwirtschaftlich ausgebildet und unter Freunden als „Taffy“ bekannt: Das Leben von Wolfgang Graf Berghe von Trips.

Geboren im Jahr 1928 in Köln als Sohn einer rheinischen Adelsfamilie wuchs er zunächst in der Burg Hemmersbach im rheinischen Erftkreis auf. Schon hier war klar, dass er eines Tages die landwirtschaftlichen Betriebe des Anwesens übernehmen sollte. Doch bereits in den Kinderschuhen wurde ihm Einblick in eine andere, Adrenalin geladene Welt gewährt: dem Motorrennsport. Als begeisterte Rennsportliebhaber nahmen seine Eltern ihn mit zu verschiedenen Rennen und förderten so seine Begeisterung für Technik und den Motorsport selbst.

Nach Unterbrechungen durch Krankheit und den Krieg konnte Trips seine landwirtschaftliche Ausbildung schließlich erfolgreich beenden. Jedoch entwickelte sich seine berufliche Zukunft in eine andere Richtung weiter, als er die ersten sportlichen Erfahrungen und Erfolge auf dem Motorrad während der Ausbildung hatte – und dieses später gegen einen BMW328 tauschte. 1954 tauschte er diesen wiederrum gegen einen 365er Porsche ein – und gewann im gleichen Jahr die deutsche Meisterschaft, welche den Beginn seiner professionellen Rennfahrerkarriere markiert. Trips erreichte zügig auch international Bekanntheit, und das nicht nur für seine Siege, sondern auch für seine zahlreichen Unfälle: Diese brachten ihm letztendlich den Spitznamen „Count Crash“/“Graf Bruch“ ein. Was ihn ebenfalls auszeichnete: er war der erste deutsche Rennfahrer für die Scuderia Ferrari!

Doch nicht nur seine sportlichen Erfolge machten ihn zu einem der bekanntesten Rennfahrer deutscher Geschichte: er legte dabei auch ein beispielhaftes Verhaltensmuster, geprägt von Fairness, an den Tag. Das zeigt unter anderem der Vorfall 1957 in Mille Miglia: An zweiter Stelle war er der einzige Rennfahrer, der den führenden Italiener hätte überholen können, als dieser aufgrund technischer Probleme die letzten 200km nur noch im 4. Gang fahren konnte. Da ihm dies aber nicht als ein faires Rennen erschien, blieb er stattdessen hinter dem Italiener und eskortierte diesen als Zweiter durch das Ziel und verzichtete auf den Sieg. Auch 1958 zeigte er erneut seine faire Seite, als er dem Kontrahenten Jean Herbert vermutlich das Leben rettete, als er seine eigene Fahrt unterbrach und diesen aus seinem brennenden Fahrzeug half. Geprahlt hat er mit dieser Tat hingegen nie – heute weiß man davon nur aus einem Brief des Franzosen, indem dieser sich für Trips Tat bedankt hat.

Im Januar 1961 gründete er dann zusammen mit 21 Rennsportkollegen die Scuderia Colonia in der ehemaligen ADAC Zentrale der Villa Oppenheim. Graf Berghe von Trips erkannte schnell die Vorteile, sich für gemeinsame Motorsportaktivitäten zu organisieren: Kontakte in der Industrie konnten hergestellt sowie gemeinsame Kontakte genutzt werden, es lag eine gegenseitige Unterstützung und Kameradschaft der Mitglieder vor und die Scuderia Colonia sollte als Basis für motorsportlichen Nachwuchs gelten. Dafür spendete „Graf Bruch“ auch selbst einen Formel-Junior-Sportwagen, um talentierten Jugendlichen so den Einstieg in den Rennsport zu ermöglichen. Bekanntheit erreichte die Scuderia Colonia vor allem durch den Grafen selbst, da dieser das von Ernst van Husen erstellte Logo der Scuderia bei all seinen Rennen, die er 1961 fuhr, auf seinem Racemaster Helm trug.

In der Saison 1961 war er nach seinen ersten beiden Siegen im Ferrari dann zum ersten Mal ein ernsthafter Titelanwärter und Führender in der Gesamtwertung. Jedoch sollte sich sein Traum, Weltmeister zu werden, nie erfüllen. Trotz Pole Position hat Trips einen schlechten Start und landet zu Beginn auf dem sechsten Platz. In der zweiten Runde geschieht dann das Unglück: nach einem Überholmanöver kollidiert Trips mit dem Lotus von Jim Clark, sein Wagen prallt gegen die Zuschauerbegrenzung und überschlägt sich mehrmals. Trips wird dabei aus seinem Ferrari geschleudert und ist durch einen Genickbruch sofort tot, 16 Zuschauer lassen ebenfalls ihr Leben – ein schwarzer Tag in der Rennfahrergeschichte.

Posthum wird Wolfgang Graf Berghe von Trips zum Vizeweltmeister und Sportler des Jahres gekürt, seine trauernden Eltern nehmen die Auszeichnungen Ende 1961 entgegen. Mit seinem Tod wird der im Rennsport auch genannte „Taffy“ jedoch nicht vergessen, sein Andenken lebt bis heute weiter. Seine Eltern gründen die Trips’sche Sport­stif­tung zu Burg Hem­mers­bach, seit 2000 existiert ebenfalls das Rennsportmuseum in der „Villa Trips“ und in 2008 wurde er in die „Hall of Fa­me des Deut­schen Sports“ aufgenommen. Auch die Scuderia Colonia lebt in seinem Andenken weiter, heute als Sportfahrervereinigung aktiver Motorsportler. Auch wenn es einen Umbruch in der Sportwelt gab und Rennfahren nun Breitensport ist, sind die Ziele von Wolfgang Graf Berghe von Trips weiterhin bestehend. Mittlerweile hat sich in der Scuderia Colonia neben dem Rundstreckensport auch der Oldtimersport etabliert und der Förderung junger Talente wird weiterhin hoher Wert zugewiesen.